Was hat Krafttraining mit einem langen, gesunden und selbstständigen Leben zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick denkt.

Deshalb verlassen wir mit unseren 12. Klassen des Beruflichen Gymnasiums für einige Unterrichtsstunden die Sporthalle und gehen in ein Fitnessstudio. Unser Ziel ist dabei nicht, möglichst viele Gewichte zu bewegen oder einem bestimmten Körperbild hinterherzulaufen. Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern zeigen, wie man intelligent, sicher und mit Freude trainiert – und warum es sich lohnt, damit langfristig weiterzumachen.

Viele Jugendliche trainieren bereits im Fitnessstudio, wissen aber oft noch nicht genau, wie ein gutes Training aufgebaut sein sollte: Welche Übungen sind sinnvoll? Wie viel Gewicht ist angemessen? Worauf kommt es bei der Technik an? Muss ich immer bis zum Muskelversagen trainieren? Wie kann ich mein Training nach und nach steigern? Genau hier setzt unser ausgearbeitetes Unterrichtsvorhaben „Intelligentes Krafttraining – Was ich als Jugendliche(r) alles wissen sollte“ an.

Die Schülerinnen und Schüler lernen grundlegende Kraftübungen wie Kniebeugen und Kreuzheben mit der Langhantel oder Bankdrücken kennen. Dabei steht zunächst die saubere Bewegungsausführung im Mittelpunkt. Sie beobachten sich gegenseitig und geben sich mithilfe von Feedbackbögen Rückmeldungen. Über mehrere Doppelstunden schaffen wir hier jährlich richtig coole Erfolgserlebnisse. Absolute Neulinge, die gar keinen Bezug zu den Grundübungen hatten, demonstrieren in den praktischen Fachprüfungen eine saubere Ausführung der durchaus komplexen Technik. Trainingserfahrene Schülerinnen und Schüler wiederum lernen mithilfe unserer Technikmerkmale Feinheiten kennen, die sie auf ihr persönlich nächstes Level hieven.

Neben dem Erlernen einer Grundübung sammeln die Schülerinnen und Schüler Woche für Woche Erfahrungen im Rahmen eines Ganzkörpertrainings, das durch uns und einem Trainingslogbuch mit ausgewählten Erklärvideos begleitet wird. Dabei setzen sie sich mit wichtigen Trainingsprinzipien wie dem progressive overload und den klassischen Krafttrainingsvariablen auseinander. Einige Schülerinnen und Schüler erzählen Monate nach unserem Sportunterricht, dass sie sich im Gym angemeldet haben und mit Freude trainieren. Das sind dann die schönen Momente in unserem Job, wenn wir merken, dass aus ein paar Unterrichtsstunden vielleicht etwas entstanden ist, das sie wirklich längerfristig begleitet.

Und das hat dann wiederum auf so vielen Ebenen positive Effekte: Krafttraining verbessert nachweislich Kraft, Muskelmasse und Schnellkraft und kann damit wichtige körperliche Voraussetzungen für Alltag und Sport schaffen. Nicht zuletzt werden auch das Selbstvertrauen und das Selbstwirksamkeitserleben gestärkt. Krafttraining ist damit keine kurzfristige Fitnessmode, sondern eine Investition in die eigene Gesundheit – und zwar über die gesamte Lebensspanne. Kraft und Muskulatur helfen uns, alltägliche Bewegungen selbstständig auszuführen. Gleichzeitig profitieren auch andere Strukturen des Bewegungsapparates von den gesetzten Belastungsreizen. Knochen, Sehnen, Bänder und weitere Gewebe werden ebenfalls an Belastung angepasst.

Aus einem Podcast mit Dr. Alexander Pürzel ist mir besonders das Bild in Erinnerung geblieben, dass jede Trainingseinheit gewissermaßen auf ein „Lebenskonto“ einzahlt. Entscheidend ist dabei nicht, ein paar Wochen besonders motiviert zu trainieren, sondern eine Form des Trainings zu finden, die man dauerhaft in sein Leben integrieren kann. Genau diese Erfahrung möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern mitgeben: Krafttraining ist keine kurzfristige Angelegenheit und auch kein Sport, den man nur wegen des Aussehens betreibt. Es kann ein wichtiger Baustein für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Selbstständigkeit sein – heute und bis ins hohe Alter. Unser Anspruch als Schule ist deshalb nicht, aus unseren Schülerinnen und Schülern Fitnesssportlerinnen und Fitnesssportler zu machen. Wir möchten ihnen Wissen, praktische Erfahrungen und das nötige Vertrauen vermitteln, damit sie selbstständig entscheiden können, wie sie ihren Körper sinnvoll trainieren können. So lässt sich idealerweise eine der wichtigsten sportlichen Kompetenzen anbahnen: ein Leben lang körperlich aktiv bleiben zu können!

D. Metzger